In den Rück­la­gen steckt die Fi­nanz­kraft

In den 70er- und frühen 80er-Jahren standen in fast jedem Kinderzimmer rote Plastiksparschweinchen, knallrot mit weißem Sparkassen-S. Das waren damals sehr beliebte Werbegeschenke für die Kinder nicht nur von Kunden – oft überreicht zum Weltspartag, der seit fast 100 Jahren immer Ende Oktober stattfindet. Beim Weltspartag ging und geht es um Finanzbildung im umfassenderen Sinne. Erklärt wird das Warum und vor allem das Wie der Bildung von Rücklagen. Auch für Unternehmer ein wichtiges Thema – und in Zeiten von Nullzinsen sowie mancher steuerlichen Hürde alles andere als trivial.
Die Rück­lagen si­chern die be­trieb­liche Existenz
Klar: Wer derzeit Geld auf ein Sparbuch einzahlt, vermehrt sein Geld kaum. Doch so altbacken der Begriff Weltspartag auch klingen mag – das Thema ist zeitgemäß, für Privatleute und für Unternehmer sowieso. Ohne Rücklagen bekommen Betriebe leicht Probleme. Wenn eine größere oder unvorhergesehene Investition nötig wird, die eine Finanzierung erfordert, senkt eine gute Eigenkapitalquote die Zinsen und bietet den Zugang zu besseren Konditionen. Fällt die Steuerforderung des Finanzamts, etwa nach einer Betriebsprüfung, höher aus als erwartet, lässt sie sich mit Geld vom Sparbuch begleichen. Das ist der Sinn solcher Rücklagen: Sie sind sofort verfügbar, wenn man sie braucht. Sie kosten keine Zinsen – zumindest bei niedrigeren Beträgen – und bringen mit etwas Glück sogar welche ein. Sie sorgen dafür, dass eventuell nötige Finanzierungen günstiger werden – dank der durch höhere Eigenkapitalquote besseren Bonität. Soweit klar.
Das gilt für die Rück­lagen von Bi­lan­zierern
Allerdings funktioniert das Zurücklegen für schlechte Zeiten im Betrieb teilweise anders als im Privaten. Wenn Unternehmer sich Rücklagen schaffen wollen, ist etwa sehr wichtig, ob sie nach Handelsgesetzbuch (HGB) bilanzieren oder einkommensteuerpflichtig sind und nur eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung machen. Der Steuerberater ist für Fragen und Hilfe bei der Planung der richtige Ansprechpartner. Für Bilanzierer nach HGB sind Rücklagen betriebswirtschaftlich vereinfacht gesprochen ein Bestandteil des Eigenkapitals. Das Handelsgesetzbuch verpflichtet Unternehmen zur Bildung von Rücklagen in gewisser Höhe. Bilanzielle Rückstellungen können Unternehmer für verschiedene Zwecke bilden, etwa Garantien. Solche Rückstellungen sind im Gegensatz zu simplen Rücklagen stets zweckgebunden. Alle Gründe akzeptiert der Fiskus hierfür nicht zwangsläufig. Dennoch haben bilanzierende Unternehmer es mit der Bildung von Rücklagen durch die Möglichkeit der steuerbegünstigten Rückstellungen oft leichter als Unternehmer, die nur zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung verpflichtet sind. Freiwilliges Bilanzieren kann sich deshalb lohnen. Den Steuerberater darauf ansprechen sollten Unternehmer, die schwankende Gewinne verzeichnen oder projektbezogen arbeiten oder Material in großen Chargen einkaufen und hierfür Leistungen in kleinen Chargen erbringen, etwa als Tischler. Auch vor dem Unternehmensverkauf kann dieses Thema wichtig werden.
Hohe Rück­lagen durch Investi­tions­ab­zugs­betrag
Bei Unternehmern, die ihre Steuerlast per Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, gilt das Zufluss-Abfluss-Prinzip. Rücklagen bilden sie aus dem Nettogewinn. Sie haben bestenfalls die Option, für geplante Anschaffungen den Investitionsabzugsbetrag (IAB) anzusetzen. Unternehmer mit bis zu 235.000 Euro Bilanzvermögen oder maximal 100.000 Euro Gewinn – vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags wohlgemerkt – können den IAB von bis zu 40 Prozent der geplanten Investitionssumme mittlerweile wieder – ähnlich wie zuvor die Ansparabschreibung – besser als ursprünglich vom Gesetzgeber vorgesehen für die Bildung von finanziellen Rücklagen nutzen. Auch wenn sie noch nicht so genau wissen, welche Investition sie in den nächsten drei Jahren planen, taugt das Instrument sogar zumindest wieder ansatzweise zur steuerlichen Glättung von Gewinn und Steuerlast – was das Gesetz eigentlich nicht vorsieht. Dafür sorgen Urteile der Finanzgerichte.
Spiel­raum beim Bil­den von Rück­la­gen mit dem IAB
Die sächsischen Finanzrichter urteilten, dass ein Unternehmer den Investitionsabzugsbetrag rückwirkend für ein anderes Wirtschaftsgut als geplant ansetzen kann, wenn er von der ursprünglich geplanten Investition Abstand nimmt – natürlich nur, sofern er dafür noch keinen IAB angesetzt und das Wirtschaftsgut tatsächlich innerhalb des zulässigen Investitionszeitraums angeschafft hat (Az.: 6 K 824/14). Die sich so ergebende Steuerersparnis wird mit der Steuernachzahlung auf den aufgelösten Investitionsabzugsbetrag für die geplatzte Investition verrechnet. Auf dieses wirtschaftsfreundliche Urteil setzte der Bundesfinanzhof (BFH) noch einen drauf. Die obersten Finanzrichter halten den IAB sogar dann für zulässig, wenn das Unternehmen die Investition längst getätigt hat. Allerdings nur, sofern der Steuerbescheid für das betreffende Jahr noch nicht bestandskräftig ist. Mit dem BFH-Urteil ist es nun sogar zulässig, den Investitionsabzugsbetrag nachträglich in Anspruch zu nehmen – auch ausschließlich, um hohe Steuernachzahlungen im Anschluss an eine Betriebsprüfung auf besonders elegante Art und Weise aufzufangen (Az.: IV R 9/14). Unternehmer haben also mit dem IAB einige Freiheiten bei der Bildung von Rücklagen. Sie sollten sich aber mit Hilfe ihres Steuerberaters finanziell gut absichern. Der Fiskus hat gerade bei diesem sehr beliebten Steuersparinstrument bereits bewiesen, dass er keine Hemmungen hat, die Rechtslage auch für Jahre rückwirkend zu ändern.
Rücklagen müssen schnell zur Verfügung stehen
Dass auf dem freien Markt derzeit wenig an die Verzinsung des Fiskus heranreicht, davon war hier bereits zu lesen. Wer auf den Investitionsabzugsbetrag setzt, weil die geplante Investition eben nicht im laufenden Steuerjahr ansteht, für den ist das Überzahlen von Steuern natürlich keine Option – das Geld wäre ja weg und könnte nicht mehr als Rücklage genutzt werden. Da kurzfristig verfügbar, ist der Klassiker schlechthin sicher das Geldmarktkonto – eines für betriebliche und eines für private Rücklagen des Unternehmers. Kurzfristig verfügbar wäre auch ein Aktien- oder Fondsdepot – hier sollten Unternehmer wegen Schwankungen und möglicher Verluste aber keine Rücklagen anlegen, die sie sicher benötigen. Gleiches gilt für fest gebundene Anlagen – in Immobilien oder andere nicht schnell verkäufliche Gegenstände. Die sind keine Option für Gelder, die dem Betrieb jederzeit zur Verfügung stehen müssen. Lediglich die Investition in Mietobjekte könnte sich rechnen – vor allem, wenn sich finanzielle mit personalstrategischen Überlegungen mischen.

Quelle: https://www.trialog-magazin.de/2018/10/31/in-den-ruecklagen-steckt-die-finanzkraft/

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